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Entstehung des Aquarells "Beobachtung"

Hallo und Guten Abend!

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit der Aquarellmalerei und finde immer mehr Gefallen an ihr. Es scheint, dass neben der Zeichnung und dem Holzschnitt diese Technik zu meinem dritten Standbein werden könnte.

In diesem Beitrag möchte ich Euch etwas am Entstehungsprozeß für das Aquarell "Beobachtung" teilhaben lassen.Das Bild ist 25 x 18 cm groß und ich saß letzte Woche an zwei Tagen dran.

Unterzeichnung
Unterzeichnung

Um ein Bild beenden zu können, muss man wissen wie man anfängt. Eine Skizze oder Vorzeichnung kann wichtig sein, um von Anfang an planvoll an einem Bild zu arbeiten. In diesem Fall habe ich auf den Karton (CRAYON, 300er Grammatur) gezeichnet und ich finde es auch nicht störend, wenn Bleistiftlinien später durch die Aquarellfarben durchscheinen.

Die Zeichnung mache ich so konkret, dass ich im Verlauf der Arbeit immer weiß, was der nächste Schritt ist. Aber ich bemühe mich auch, die Vorzeichnung so weit offen zu lassen, dass ich während des Arbeitens nicht in ein Malen-nach-Zahlen gerate.

erste Farbschicht
erste Farbschicht

Auf die Zeichnung lasiere ich mit einem hellem Rot auf das feuchte Papier. Dabei versuchte ich auch, einige Bildbereiche für Kontraste weiß zu lassen.

Bearbeitung von Gesichtern und erste schwarze Partieen
Bearbeitung von Gesichtern und erste schwarze Partieen

Jedes Bild hat seine wichtigen Bereiche, auf die der Macher besonderen Wert legt und die zu einem möglichst frühen Zeitpunkt angelegt werden sollten. In diesem Bild sind das (1) die besonders genaue Behandlung der Gesichter und (2) die Frage, ob der Kontrast des weichen Rottones mit dem hartem Schwarz der Tusche funktionieren wird. An den Gesichtern arbeitete ich gleichzeitig, um ein möglichst gleichwertiges technisches Niveau der verschiedenen Physiognomieen zu erreichen.

Die schwarzen Flächen verdichtete ich nur so weit, bis die gewünschte Erkennbarkeit erreicht war, also dass zum Beispiel ein Arm in der Verkürzung für den Betrachter verstehbar wird. Dabei arbeitete ich mit einem Tintenstift (Stärke 0,1), um die schwarzen Flächen nicht langweilig werden zu lassen.

Der Dame steckte ich aus einer spontanen Neigung eine kräftig-rote Blume in das Haar, um im oberen Bildteil (in dem ja weniger passiert) einen auffälligen Farbkleks zu setzen, der durch seine exponierte Stelle die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

der untere Bildbereich
der untere Bildbereich

Im unteren Bildteil wurde es für mich im Verlauf der Arbeit immer wichtiger die Vertikale zu betonen. Deshalb vergrößerte ich den Bildraum nach unten (man kann noch die frühere untere Bildlinie sehen). Außerdem betonte ich mit der roten Soße und den Falten der weißen Schürze diese Bildraumrichtung.

Das Rot von Soße und Blume wurde zu einem wichtigem Gegengewicht zu dem Schwarz der Tinte.

In diesem Stadium der Arbeit sprang ich im Bild hin und her, malte mit Aquarell, zeichnete mit dem Tuschestift oder präzisierte mittels des Bleistiftes. Beachtenswert ist sicher auch der Einsatz von Blau in den Gesichtern und auf den Händen, um Schattierungen zu kreieren. Dabei versuchte ich immer das Bild in einem Gleichgewicht zu halten, was für mich letztlich heißt, dass die einzelnen heterogenen Bildteile sich der Homogenität der Bildidee unterordnen müssen.

das fertige Bild
das fertige Bild

Am Ende war dann da ein Bild, in dem ich viel experimentiert habe. Vor allem habe ich aber die Aquarellmalerei für mich weitergeführt und -entwickelt. Außerdem bin ich sehr mit den vielen "unfertigen" Bildbereichen zufrieden, die es dem Betrachter ermöglichen, das Bild beim Betrachten sozusagen fertigzumalen.

Ich habe das Gefühl, dass es noch tausend Dinge zur Aquarellmalerei zu sagen gibt, aber das in einem anderem Beitrag, wenn ich mich in dieser Technik noch mehr ausgebreitet habe.

 

Bis dahin und liebe Grüße aus Dresden,

Tobias Wolf. 

 

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