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"Crime scene" Stationen eines verlorenen Holzdruckes

Crime scene, fertiges Bild
Crime scene, fertiges Bild

 

Schönen guten Nachmittag aus Dresden! In einem anderen Blogbeitrag auf www.tobias-wolf-bilder.de habe ich schon versucht, das Prinzip des verlorenen Holzstiches zu erklären.

Zu dieser Technik kehre ich immer wieder gerne zurück, um ein Motiv zu vervielfältigen.

 

In diesem Blogbeitrag zeige ich Euch die Entstehung des Bildes "Crime scene".

Insgesamt wurden für das Bild vier Farbschichten benötigt. Ich habe mir angewöhnt, das Weiß auch als eine "Farbe" zu denken, da deren Felder innerhalb der Logik eines Druckes gleichwertig neben den Feldern der "echten" Farben stehen. Insgesamt waren also bei diesem Bild fünf verschiedene Farben zu bedenken.

Das Prinzip des verlorenen Holzdruckes besteht darin, dass alle Farben mit einem Druckstock gedruckt werden und der Druckstock nach Beendigung nicht mehr benutzt werden kann. Das heißt für den Prozess vor allem, dass sich der Drucker am Anfang überlegen muss, wieviel Auflage ein Bild haben soll.

Die Zeichnung auf dem Druckstock
Die Zeichnung auf dem Druckstock

 

Am Anfang eines Bildes steht oft eine Zeichnung (mehr oder weniger präzise ausformuliert).

Auf dem Foto oben seht ihr, dass die Zeichnung schon auf den Druckstock übertragen wurde. Natürlich muss die Zeichnung gespiegelt werden, da beim Drucken das Bild wieder gespiegelt wird.

Nach der Übertragung der Zeichnung auf den Druckstock habe ich mit dem Schneiden der Flächen begonnen, die weiß bleiben sollen.

Druckstock mit ausgeschnittenen Flächen, die weiß bleiben sollen auf dem Papier und der ersten Farbschicht
Druckstock mit ausgeschnittenen Flächen, die weiß bleiben sollen auf dem Papier und der ersten Farbschicht

 

Grundsätzlich gilt für mich, dass man mit der hellsten Farbe anfängt. Natürlich kann man diese Regel auch brechen, wenn man sich dadurch nützliche Effekte für das Bild erhofft.

Nicht immer weiß ich am Anfang exakt, wie das Bild am Ende aussehen wird. Für meine Herangehensweise, die ohnehin von klaren Formen, Farben und Motiven geprägt ist, ist diese Offenheit für den Arbeitsprozeß vorteilhaft.

Zustand des Druckstockes mit der ersten Farbe Gelb
Zustand des Druckstockes mit der ersten Farbe Gelb

Bei dem Drucken mit der ersten Farbe erzielt man in einem ersten Druckvorgang die Werte für die Flächen Weiß und Gelb, wobei die Gelbflächen weitestgehend noch keine konkreten Formen haben.

Ateliersituation während des Druckens
Ateliersituation während des Druckens

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass der Arbeitsplatz unbedingt sauber sein soll während des Druckens. Das ist natürlich nicht verkehrt. Aber ein sauberer Druck ist noch lange kein gutes Bild.

"Crime scene" hat das Format 74 x 30 cm. Insgesamt habe ich 24 Blätter gedruckt, von denen 22 in die Serie gekommen sind. Zeitlich habe ich dadurch für jeden Druckvorgang ca. 2 bis 3 Stunden gebraucht. Für das Schneiden benötigte ich für jeden Zustand mehr oder weniger 8 Stunden.

Zustand des Druckstockes mit der zweiten Farbe Grün
Zustand des Druckstockes mit der zweiten Farbe Grün

 

Alles was auf dem Papier gelb bleiben soll, muss auf dem Druckstock so weit weggeschnitten werden, damit man später nicht mit anderen Farben auf die Gelbflächen kommt.

Zustand des Blattes nach dem zweiten Druckvorgang
Zustand des Blattes nach dem zweiten Druckvorgang

 

Durch das Grün wird nun die Farbe Gelb mit klaren Formen versehen. Hier wird deutlich, dass eine Linie duch zwei Flächen gesetzt werden kann.

Durch die Zeichnung wußte ich ja von Anfang an, welche Flächen ungefähr wo auf dem Papier sind. Deshalb habe ich beim Drucken immer auf eben diesen Flächen genug Farbe aufgetragen, damit sie in der Endversion deckend sind. Da wo noch eine Farbe über gedruckt werden musste, habe ich das nicht getan, einerseits weil ich nicht auf durchschimmernde Effekte aus war und andererseits um Zeit, Arbeit und Farbe zu sparen.

Zustand des Druckstockes mit der dritten Farbe Blau
Zustand des Druckstockes mit der dritten Farbe Blau

 

Auch bei den Farben habe ich kein am Anfang klar stehendes Konzept. Ich mische die Farben während des Druckens selbst und versuche sie intuitiv auf das schon Vorhandene abzustimmen.

Außerdem versuche ich mit klar zu werden, von wo das Licht im Bildraum kommt, um danach auch die Hell- und Dunkelwerte abzustimmen. Wenn in allen Bildteilen das gleiche Lichtkonzept vorherrscht, so kann das durchaus zur Homogenität des Bildes beitragen.

Zustand auf dem Papier nach dem dritten Druckvorgang
Zustand auf dem Papier nach dem dritten Druckvorgang

 

Kleine Fehler müssen nicht störend für den Gesamteindruck eines Blattes sein. Oft ist es ja so, dass der Betrachter einen Fehler überhaupt nicht wahrnimmt, bis ihn der Bildermacher darauf aufmerksam macht. Manchmal habe ich sogar den Eindruck, dass die Probedrucke eines Motives durch Fehler wie Kratzer oder ungleichmäßiger Farbauftrag interessanter wirken. Letztlich bin ich aber der Meinung, dass ein Bild um so besser wird, um so weniger ich etwas dem Zufall überlasse.

Druckstock im Endzustand mit Linienzeichnung
Druckstock im Endzustand mit Linienzeichnung

 

Früher habe ich die Linie immer schwarz gemacht. Davon bin ich aber irgendwann abgekommen, weil das Schwarz kaum eine Beziehung zu den restlichen Farben aufbaut. Mittlerweile versuche ich für die Linien zwar eine kontrastreiche aber auch eine auf die vorangegangenen  Farben beziehungsreiche Farbe auszuwählen.

Gerade bei schmalen Flächen wie zum Beispiel für Linien hat es sich bewährt, die Farbe mit einem Pinsel aufzutragen. Beim Auftragen der Farbe mit einer Rolle können lokale Farbanreicherungen (Tropfen) auf dem Druckstock entstehen, die dann beim Drucken breit gedrückt werden. Das fällt besonders bei den Linien auf.

 

Es gibt noch so viel mehr zu diesem Thema zu erzählen, aber noch schöner als davon zu erzählen oder es zu beschreiben ist das selber machen. Vielleich habt ihr ja ein wenig Lust auf Holzschnitt bekommen. Einfach ausprobieren, den Respekt vor der Kunstform verlieren und immer daran denken, dass auch ein Stempel nur ein Hochdruckverfahren ist.

 

Bis zum nächsten Mal

und liebe Grüße aus Dresden!

 

 

verlinkt bei creadienstag