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Holzstich "Winnetou und Bacchus Vol. 3"

Hallo aus Dresden!

 

Meinen letzten Holzstich "Winnetou und Bacchus Vol. 3" habe ich mal ausführlich mit Fotos dokumentiert. Ich zeige euch hier die Fotos. Das gibt euch bestimmt eine Vorstellung, wie ich (und vielleicht bald auch ihr) bei einem verlorenem Holzstich vorgehe.

 

Das fertige Bild "Winnetou und Bacchus Vol. 3", welches ich für eine Ausstellung im September in der Stadtgalerie Radebeul hergestellt habe.
Das fertige Bild "Winnetou und Bacchus Vol. 3", welches ich für eine Ausstellung im September in der Stadtgalerie Radebeul hergestellt habe.

Am Anfang steht natürlich eine Skizze, oder mehrere Skizzen, die dann zu einem Motiv zusammengefasst werden. Es sollten alle wesentlichen Bildelemente enthalten, die für das spätere Bild wichtig sind. Zwar kann man im verlorenen Holzstich u.U. noch nachträglich die Bildidee ändern. Aber das geht nur auf den Bereichen, wo der Druckstock noch steht. Außerdem bin ich der Meinung, dass es günstig für den Arbeitsprozeß ist, wenn man schon von Anfang weiß, was man genau will.

Die Skizze am Anfang.
Die Skizze am Anfang.

Die Skizze muss gespiegelt werden, da beim Drucken auch eine Spiegelung passiert. Deshalb sollte schon von Anfang klar sein, wie die Leserichtung im Bild ist. Ihr habt zwar die Skizze und könnt noch einmal das Motiv auf einen neuen Druckstock übertragen. Aber es wäre schade um die Zeit und das Herzblut, was ihr in eine Arbeit gesteckt habt, bis zu dem Moment, in dem ihr feststellt, dass ihr vergessen habt, das Bild zu spiegeln. Das ist mir schon oft passiert und ich fand es jedesmal nicht schön.

Es gibt verschiedene Methoden, ein Bild zu spiegeln. Meine geht so: Ich klebe das Papier mit der Skizze verkehrt herum an ein Fenster und zeichne die Linien auf die Rückseite des Papieres nach.

Das gespiegelte Motiv übertrage ich mittels Kohlepapier auf den Stock.

Das gespiegelte Motiv auf dem Druckstock. Links ist die Markierungslinie zu sehen, an der das zu bedruckende Papier angelegt wird.
Das gespiegelte Motiv auf dem Druckstock. Links ist die Markierungslinie zu sehen, an der das zu bedruckende Papier angelegt wird.

Auf dem Druckstock sollte genug Platz für die Markierungslinie sein, an der ihr das zu bedruckende Papier anlegt. Auf der Linie ist eine Markierung und auf der Rückseite des Papieres ist eine Markierung. Jedesmal, wenn ihr ein Papier druckt, legt ihr das Papier parallel zur Markierungslinie an und passgenau zum Markierungspunkt.

Das Papier wird an die Markierungslinie angelegt.
Das Papier wird an die Markierungslinie angelegt.

Die erste Farbe, die man druckt, ist sozusagen eine Nichtfarbe, das Weiß, das nicht gedruckt werden muss. Also muss ich mir zuerst überlegen, wo auf meinem Bild alles Weiß sein soll. Diese Stellen schneide ich dann aus dem Druckstock heraus.

Das untere Bild zeigt die nächsten zwei Schritte: Zuerst hatte ich die Stellen, die weiß bleiben sollen, herausgeschnitten. danach entschied ich mich für die Partien, die hellgrau werden sollen. Gerade mit dem Grau war ich unsicher. Grau ist ja nur u.U. eine schöne Farbe. Aber ich wollte, dass die Wolken am Himmel etwas plastischer wirken und dass die Architektur mehr Licht und Schatten bekommt.

Auf dem Stock sind die Farbe Weiß herausgeschnitten (Wolken und Kirche) und die zweite Farbe Grau aufgetragen.
Auf dem Stock sind die Farbe Weiß herausgeschnitten (Wolken und Kirche) und die zweite Farbe Grau aufgetragen.

Die dritte Farbe war das Blau des Himmels und ein bisschen was auch für die Laterne der Weinbergkapelle.

Vom Prinzip ist es immer am Besten, dass man zuerst die hellste Farbe im Bild druckt und dann immer dunkler wird, weil man nicht immer perfekt die Stellen auf dem Stock einfärben kann, die gedruckt werden sollen. Dadurch entstehen ungewollte Farbüberschneidungen. Eine dunkle Farbe ist unter einer hellen Farbe natürlich immer stärker zu sehen, als umgekehrt. In der Praxis ist das aber nicht immer möglich. Außerdem zeigt das Ungewollte oft auch Aspekte, die ich so wohl nie ausprobiert hätte, wenn ich immer nur strikt meinem Plan folgen würde.

 

Diese Gegenüberstellung zeigt den eingeblauten Stock und die ersten Konturen auf dem Papier.
Diese Gegenüberstellung zeigt den eingeblauten Stock und die ersten Konturen auf dem Papier.

Das helle Orange ist nun die nächste Farbe für Dächer, den Qualm aus der Pfeife, das Weinlaub des Bacchus und die Flasche.

Gerade bei kleinen Bereichen auf dem Druckstock, die eingefärbt werden sollen, verwende ich auch gerne mal einen Pinsel anstatt der Farbwalze.

Die Farben mische ich während des Arbeitens. So kann ich die kommenden Farben so genau wir möglich auf die bereits gedruckten Farben abstimmen. Ich finde es wichtig, dass man einen vorgefassten Plan nicht minutiös abarbeitet.

In diesem Schritt passierte mir ein Fehler: Eigentlich wollte ich den Brief unten im Bild auch einfärben, habe das aber vergessen. Zum Glück druckte ich im übernächsten Schritt mit dunklerem Orange und der Fehler war nicht gravierend. Deshalb ist es sehr wichtig, immer mehrere Probedrucke von einem Schritt zu drucken und sie genau zu betrachten, um für die endgültigen Versionen so wenig wie möglich Fehler zu machen. Falls doch mal ein Fehler passiert: Alles halb so schlimm! Aus Fehlern lernt man und in einem Kunstdruck kann ein Fehler auch mal gut aussehen.

Die Palette mit dem gemischten hellen Orange, sowie der eingefärbte Druckstock und das  bedruckte Papier.
Die Palette mit dem gemischten hellen Orange, sowie der eingefärbte Druckstock und das bedruckte Papier.

Im nächsten Schritt druckte ich ein dunkleres Orange, mit dem ich meinen Fauxpas mit dem Brief ausbessern konnte. Weiterhin sollten der Qualm, die Dächer, die Flasche und das Weinlaub des Bacchus mehr Struktur bekommen.

Nach diesem Schritt wusste ich, dass der Druck etwas werden kann. Besonders im Bereich der Kapelle entstanden nun gute räumliche Dimensionen. Auch der Himmel mit dem Qualm und den Wolken bekam Qualität.

Mit Dunkelorange eingefärbter Druckstock und die gedruckte Stufe dazu. Noch ist Vieles undeutlich, aber im Bereich der Kapelle kann man schon räumliche Qualität erkennen
Mit Dunkelorange eingefärbter Druckstock und die gedruckte Stufe dazu. Noch ist Vieles undeutlich, aber im Bereich der Kapelle kann man schon räumliche Qualität erkennen

In den nächsten beiden Schritten druckte ich mit hellem und dunklem Grün den Hang mit Rebstockreihen. Dabei versuchte ich besonders mit den dunkelgrünen Strukturen, durch Überschneidungen und Groß-Klein-Verhältnissen einen Eindruck von Tiefe zu schaffen.

Eingefärbter Druckstock und das bedruckte Papier in den zwei Schritten mit Hellgrün und Dunkelgrün.
Eingefärbter Druckstock und das bedruckte Papier in den zwei Schritten mit Hellgrün und Dunkelgrün.

In dem nächstem Schrit druckte ich wieder mit Blau, dass die Szene im Vordergrund auch optisch in den Vordergrund exponieren soll. Weiterhin hoffte ich, dass dieses Blau einen Effekt mit den angrenzenden Farben Grün, Rot und Orange ergibt. Schließlich entschied ich mich in diesem Schritt, die Berge im Hintergrund mit einzufärben und keinen eigenen Druckschritt dafür zu verwenden.

Auch dachte ich an diesem Punkt eine ganze Weile darüber nach, dass ich diesen Schritt schon mit dem Himmel hätte drucken können. Letztlich bin ich aber froh, dass ich für den Vordergrund eine eigene Blaustufe gewählt habe.

Der mit hellem Blau eingefärbte Druckstock und das Druckergebnis dazu. Langsam füllt sich das Bild.
Der mit hellem Blau eingefärbte Druckstock und das Druckergebnis dazu. Langsam füllt sich das Bild.

Immer wieder entsteht das Problem, dass auf dem Druckstock die Bleistiftzeichnung durch die aufgetragenen Farben unkenntlich wird. Deshalb muss man immer wieder mal die Linien nachzeichnen.

Durch ein dunkleres Blau schaffe ich Licht-Schatten-Effekte im Bereich der Laterne und des Vordergrundes.

An diesem Punkt wurde mir übrigens klar, dass ich bei dem Schritt mit Orange im Hintergrund die Berge nicht vollständig eingefärbt hatte. Dadurch entsteht eine "Lücke". Diesen Fehler konnte ich nicht mehr korrigieren.

Druckstock mit Nachzeichnung, dunkelblau eingefärbter Druckstock und das bedruckte Papier.
Druckstock mit Nachzeichnung, dunkelblau eingefärbter Druckstock und das bedruckte Papier.

In dem vorletzten Schritt druckte ich nun mit sattem Rot, in das ich etwas Blau mischte, den Wein, der aus der Flasche fließt, und der schließlich das ganze Land unter Wasser bzw. Wein setzt. Diese rote Fläsche zog nun endlich alle noch vereinzelt stehenden Bildelemente zusammen und gab mir zum ersten Mal eine konkrete Ansicht des bald fertigen Bildes.

Last but not least der letzte Schritt mit der Linienzeichnung, die wichtige Akzente setzt, dem Bild einen Rahmen gibt und vor allem (Das ist gut am Vordergrund erkennbar.) einige Flächenelemente konkret macht. Auch kann mit der Linie der Raum zusätzlich beschrieben werden. Dinge im Hintergrund kommen eher ohne Linie aus, wie zum Beispiel die Kapelle oder die Berge. Dinge mit Umrandung stehen dagegen eher im Vordergrund.

Die letzten beiden Schritte für den Wein und die Linienzeichnung.
Die letzten beiden Schritte für den Wein und die Linienzeichnung.

Puuh! Nicht nur der Holzstich selbst (Ich saß ca. 5 Tage dafür im Atelier.), sondern auch dieser Blogbeitrag hat ganz schön Arbeit und Zeit gekostet. Aber ich denke, dass ist es wert.

Hoffentlich hat euch der Beitrag auch Spaß gemacht. Vielleicht habt ihr auch Lust bekommen, euch in dieser schönen Technik auszuprobieren und könnt euch bei mir einige Dinge abschauen, die euch bei der Arbeit nützlich sind.

 

Liebe Grüße aus Dresden,

Tobias.

 

Diesen Artikel habe ich mit creadienstag.de verlinkt.